Main-Post, 01.06.2006

Hörfreude pur bei der Reise zu Maria

Mit einem ungewöhnlichen Klangerlebnis verabschiedete sich die Konzertreihe „klangkunst“ in die Sommerpause. Zu Gast bei Musica Sacra in der Pfarrkirche war diesmal der Würzburger Domorganist Stefan Schmidt, ein Mann, so Regionalkantor Rainer Aberle, „mit ganz besonderen und kostbaren Fähigkeiten“, die er an der Grafenrheinfelder Winterhalter-Orgel auch meisterhaft zum Ausdruck brachte.

Mit ihm zusammen debütierte unter der künstlerischen Gesamtleitung von Rainer Aberle die Choralschola (Kantor Michael Gründel, Markus Fäth, Wolfram Reidelbach, Harald Werb, Michael Große, Martin Flückinger, Stefan Werzinger, Matthias Heilmann und Rainer Aberle) des Kammerchors „songcraeft – art of singing“, die eigens für dieses Klangerlebnis gegründet wurde. Geboten wurde den gut 120 Besuchern ein Konzert mit hohem liturgischen Anspruch, dessen thematischer Schwerpunkt die alte Tradition des gregorianischen Chorals mit schlichten, zu Herzen gehenden Melodien war.

Eröffnet wurde das Programm von den Orgelklängen Schmidts, der mit seinen meisterlichen Improvisationen über die marianischen Wechselgesänge das Kirchenjahr Revue passieren ließ. Die anschließenden drei Motetten der Renaissancekomponisten Hans Leo Hassler, Giovanni Croce und Jacobus Gallus für Männerchor standen in ihrer Mehrstimmigkeit in schönem Kontrast zum einstimmigen, lateinischen, unbegleiteten Gregorianischen Choral, der dann als Zyklus in Marcel Duprés „Vêpres des Fêtes du Commun de la Sainte-Vierge op. 18“ im Mittelpunkt stand. Wie schon bei den Improvisationen entlockte der Domorganist seinem Instrument teils sphärische, teils wilde, furiose Klänge und bewies, dass er auch im Literaturspiel alle Facetten seines Instrumentes zu nutzen weiß.

Im Wechsel mit den reinen Männerstimmen der Choralschola, die jeweils dem Orgelspiel vorangestellt waren und es wunderbar ergänzten, schufen die Musiker ein homogenes liturgisches Wunder, ein jahrhundertealtes klingendes Glaubensbekenntnis. Hörfreude pur.

Von Daniela Schneider