
Main-Post, 12.11.2002
»Einen wunderschönen festlichen Konzertabend« wünschte Rita Weth – Geschäftsführerin von Musica Sacra Grafenrheinfeld – und versprach damit den gut 250 Besuchern in der vollbesetzten Pfarrkirche wahrlich nicht zuviel für das letzte Konzert der Reihe »klangkunst« in diesem Jahr.
Eine ganze Anzahl von Künstlern aus der Region präsentierten unter der Gesamtleitung von Regionalkantor Rainer Aberle ein perfekt zusammengestelltes Programm auf höchstem künstlerischen Niveau. Die Solisten Christine Hübner-Hart (Sopran), Elisabeth Hünnerkopf (Harfe), Peter Rottmann (Orgel), die Mitglieder des Kammerorchesters Schloss Werneck Martin Amthor (Pauken), Alexander Friedel (Flöte), Jochen Müller-Brincken (Oboe), Wolfgang Nüsslein (Cello), Stefan Johann Walter (Glockenspiel) und der gemischte Kammerchor »songcraeft – art of singing« harmonierten in beeindruckender Weise miteinander und gestalteten den Abend zu einem wunderbaren musikalischen Gesamterlebnis.
Eröffnet wurde das Programm von Peter Rottmann an der Orgel mit einer Sonate von Felix Mendelsohn-Bartholdy, es folgten Werke für Frauenstimmen und Harfe oder Orgel, sowie a capella oder in Kombination, wie die traumhaft schöne Hymne »Wie lieblich sind deine Wohnungen« von Josef Gabriel Rheinberger, in der sich alle drei Elemente zu einem homogenen Ganzen zusammenfügten. Den Schlusspunkt des ersten Programmteils setzten die sphärischen Harfenklänge der erst 21jährigen Elisabeth Hünnerkopf, die mit Benjamin Brittens »Suite for harp« eindrucksvoll bewies, dass auch ein so altes Instrument wie die Harfe sehr wohl für moderne Stücke geeignet ist.
Unbestrittener Höhepunkt des Konzertes war allerdings das gut 40minütige »Requiem« des zeitgenössischen englischen Komponisten John Rutter aus dem Jahre 1985. Wer oft vor modernen liturgischen Werken zurückschreckt, wurde hier eines Besseren belehrt. Wenngleich nicht eine herkömmliche katholische Totenmesse, variierte das aus sieben Sätzen bestehende schwierige Werk die Themen um Leben und Tod ernst und eindringlich und umspannte die ganze Bandbreite der Gefühle mit einer bewegenden klanglichen Intensität. Der ausdrucksstarke, warme Sopran Christine Hübner-Harts im Wechsel mit den schönen gemischten Stimmen des Kammerchores und perfekte instrumentale Töne, die scheinbar schwerelos durch das ganze Kirchenschiff schwebten, erzeugten bei den Zuhörern eine Stimmung, die sich bis zum Ende des Konzertes nicht verflüchtigen sollte.
Voraussetzung für das Gelingen einen solchen Projektes war hier neben verschiedenen Proben aller Beteiligten, die teilweise bundesweite Verpflichtungen haben, die absolut genaue Kenntnis des Werkes, dazu ein Verständnis, das weit über die normale Interpretation hinausgeht. Zusätzlich kam man bei diesem musikalischen Unterfangen, in dem das Orchester in der Kammermusikversion weitgehend durch eine symphonische Orgel ersetzt wurde, nicht umhin, ein ausgeklügeltes technisches System einzusetzen. Via Funkübertragung wurden Organist Peter Rottmann die Dirigierbewegungen Rainer Aberles zur Empore auf einen Bildschirm übertragen – eine »anstrengende Prozedur«, wie Rottmann selbst erläutert, die höchste Konzentration erfordert, ohne die aber ein solches Konzert unmöglich wäre. Das Publikum belohnte das – wie es der künstlerische Leiter Rainer Aberle nannte – »Herbstprojekt«, dass wie Aberle ganz berechtigt nicht ohne Stolz erläuterte, zweimal für volle Gotteshäuser gesorgt hatte, mit stehenden Ovationen und langanhaltendem Beifall.
Von Daniela Schneider