Main-Post, 12.11.2003

Einfach überirdisch schön

Eine ausgezeichnete Wahl hatte getroffen, wer sich aus dem regionalen kulturellen Angebot für das Benefizkonzert des Fördervereins Musica Sacra Grafenrheinfeld entschieden hatte. Die Konzertreihe »klangkunst« hielt einmal mehr, was sie verspricht: Musik vom Allerfeinsten.

Kammerchor »songcræft – art of singing«, Kammerorchester Pfaffenhofen mit Konzertmeister Manfred Leopold, Domorganist Wolfgang Baumgratz und die jungen Solisten Lisa Rothländer und Michael Große boten unter der Gesamtleitung von Regionalkantor Rainer Aberle ein höchst anspruchsvolles Programm. Der erste Teil präsentierte gut 150 Jahre Kirchenmusik, angefangen vom frühromantischen Orgelwerk »Präludium und Fuge c-moll op.37,1« von Felix Mendelssohn Bartholdy, ebenso meisterlich aufgeführt vom Bremer Domorganisten wie die zeitgenössischen Stücke von Komponist Wolfgang Lindner, die für manche Freunde der klassischen Orgelmusik gewöhnungsbedürftig sind, den Facettenreichtum der Winterhalter-Orgel aber verdeutlichen.

Diese Kompositionen führten auf die ebenfalls auf dem gregorianischen Choral basierenden nachfolgenden vier Motetten op. 10 a cappella von Maurice Duruflé hin, wie auch das geniale Stück »O salutaris hostia« des Litauers Vytautas Miškinis oder die Motetten von Knut Nystedt und Charles Villiers Stanford. Der erste Teil endete mit dem Orgelwerk »Prelude et Fugue d-moll op. 109,1« von Camille Saint-Saëns, gelungene Überleitung zu Gabriel Fauré, enger Freund Saint-Saëns. Dessen gut 40-minütiges Requiem op.48 für Chor, Orgel und Orchester bildete den Höhepunkt. Es ist ein Werk mit großer Aussagekraft, steht doch nicht der Schrecken des Todes, sondern die ewige Ruhe und friedvolle Distanz im Vordergrund. So vermeidet die Komposition dramatische Momente und schnellere Tempi, tiefe instrumentale Klangfarben dominieren, erst am Ende löst sich »In Paradisum« die mystisch dunkle Stimmung zugunsten der leuchtenden »Vorstellung des letzten Mysteriums, welche die irdische Realität transzendiert«. Eine klangkonzeptionelle Herausforderung, die der Chor mit bestechender Intonationsreinheit meisterte. In allen vier Stimmlagen ausgewogen, zeigten die 28 jungen Sängerinnen und Sänger große Harmonie und Homogenität. Dabei wirkten sie völlig ungekünstelt und strahlten schlicht Freude aus.

Ganz am Anfang ihrer Karriere steht die 19-jährige Lisa Rothländer, die als Solistin in einem ergreifend schönen »Pie Jesus« mit ihrer zarten, lyrischen Sopranstimme tief bewegte. Etwas mehr Volumen hätte man sich beim Bariton Michael Große gewünscht, der beim »Hostias« und »Libera me« gegen die klanggewaltigen, streckenweise zu dominant agierenden Instrumentalisten zu wenig Durchsetzungsvermögen zeigte. Höchstleistungen brachte Wolfgang Baumgratz, der an der Orgel via Kamera den Anweisungen Rainer Aberles folgen musste.

»songcræft« bewies, dass die schon tolle stimmliche Leistung noch steigerungsfähig war. Benefizveranstaltungen haben, so Pfarrer Hans Böhm, etwas mit wohl tun zu tun. Eine Aussage, die auf diese Veranstaltung in zweierlei Hinsicht zutrifft. Etwas Gutes wollte man für den renovierungsbedürftigen Glockenturm tun. Die Mehrzahl der Besucher kam allerdings wieder einmal von auswärts. So entging vielen die zweite wohltuende Erfahrung der musikalischen Verzückung, denn was hier geboten wurde, erfüllte war einfach überirdisch schön.

Von Daniela Schneider