Main-Post, 14.11.2005
Mit ihren nicht einmal 30 Jahren kann die Echo-Klassik-Preisträgerin Iveta Apkalna bereits auf eine erstaunliche Karriere zurückblicken. Die Organistin beherrscht nicht nur brillant ihr Instrument – sie sieht auch noch gut aus. Bei ihrem Konzert auf der Winterhalter-Orgel der Grafenrheinfelder Pfarrkirche bot sie dem Publikum ein teils hochvirtuoses, teils besinnliches Programm.
Die Werkauswahl verzichtete auf Ohrwürmer und Effekthascherei. Die Organistin wusste sich dem sakralen Raum verpflichtet und streute mit Peteris Vasks’ »Te Deum«, Henri Mulets »Tu es petra« und Thierry Escaichs »Evocation 2« willkommene Gegengewichte zu den weltlichen Stücken bei. Das Konzept ihrer intelligenten Programmfolge ging mit Bachs Triosonate c-Moll BWV 526 im Mittelpunkt, umrahmt von Camille Saint-Saëns’ »Danse macabre« und dem »Marche héroique«, auf.
Der Reiz lag überwiegend in der Vorstellung unbekannter Werke, zu denen auch Naji Hakims Orgelfantasie über Themen von Bach zählte. Man wähnte sich wie in einem musikalischen Quiz, das zur Entdeckung versteckter Bach-Themen anspornte. Diese Fantasie ist ein virtuoses Stück mit verfremdeten Zitaten und Klängen und bruchstückhaften Elementen. Die junge Dame aus Riga zeigte sich technisch als ebenso attraktive wie feinsinnige Interpretin. Dass sie neben den schwierigen mechanischen Anforderungen auch ihr eigenes interpretatorisches Profil eindrucksvoll ins Licht zu rücken verstand, ergänzte sich mit den klanglichen Feinheiten, die Iveta Apkalna aus der prächtigen Orgel herauszuzaubern vermochte. Das Publiukum reagierte mit Begeisterung.
Von Klaus Linsenmeyer