Main-Post, 23.02.2005

Eine klangvolle »Zeitreise ins Blech«

Mit der »Feuerwerksmusik« von Georg Friedrich Händel eröffnete »Radio Brass Saar« das mittlerweile sechste Konzertjahr von Musica Sacra Grafenrheinfeld. Das vor vier Jahren auf Initiative von Solotrompeter Robert Hofmann gegründete Ensemble steht für »höchste Klangkultur im Bereich Blasmusik«. So wundert es nicht, dass die Versprechungen von Geschäftsführerin Rita Weth »Erstaunliches und Beeindruckendes zu erleben« nicht nur gehalten, sondern weit übertroffen wurden.

Bereits 2003 verzauberte das aus elf renommierten Solisten und einer Solistin des Rundfunk-Sinfonieorchesters Saarbrücken bestehende Ensemble sein Publikum in Grafenrheinfeld. Die etwa 300 Besucher in der fast ausverkauften Pfarrkirche erlebten eine wunderbare »Zeitreise ins Blech«.

Die Streifzüge durch mehrere Jahrhunderte Musikgeschichte verdeutlichten die enorme Bandbreite des klanglichen Repertoires der elf Blechbläser (vier Trompeten, vier Posaunen, zwei Hörner und eine Tuba) und des Schlagzeugers/Paukers von Händel, über Jean Phillip Rameau, Antonio Vivaldi, Johann Sebastian Bach bis in die Moderne zu Gordon Emerson und den jazzigen Klängen von Aaron Coplands »Fanfare for Common Man«, Malcolm Benetts »Virtuoso Funk« und George Gershwins swingendem »I got rhythm«. Durch den Positionswechsel der Instrumentalisten – mal im Altarraum, dann auf der Empore im gemeinsamen Spiel mit der Orgel wie bei Vivaldis »Konzert für zwei Trompeten und Orgel C-Dur« oder dem grandiosen »Canzona and Blues für Blechbläserensemble und Orgel« von Gordon Emerson – wurden die unterschiedlichsten Klangbilder geschaffen. Mal elegant und kühl, dann wieder dynamisch und feurig schwebten die Töne von vorne, dann wieder von der Empore durch die Pfarrkirche.

Ein Höhepunkt des Konzertes war sicherlich Bachs Zweites Brandenburgisches Konzert, das als Concerto grosso konzipiert eine große Herausforderung für die Musiker birgt. Im musikalischen Dialog zwischen Solisten und Ensemble zeigte sich hier besonders die Virtuosität und Spielfreude des Ensembles und die »faszinierende kammermusikalische Transparenz« ihres Spiels.

Einen würdigen Begleiter hatte »Radio Brass Saar« mit Regionalkantor Rainer Aberle, der mit Werken für Orgel solo von Johann Sebastian Bach, François Couperin und Louis Vierne den zeitgeschichtlichen Bogen zwischen den einzelnen Stücken spannte. Für Unterhaltungswert sorgten auch die – sicherlich als instrumentale Verschnaufpausen gedachten – charmanten kurzen Erläuterungen oder das Geplänkel zwischen Posaune und Trompete – doch vielleicht wäre hier etwas weniger mehr gewesen. Als Zugabe gab es den »Empty Stage Blues«, der neben der ungewöhnlichen Klangkonzeption auch visuell interessant daher kam. So füllte sich der Altarraum, »the empty stage« erst nach und nach mit Musik.

Von Daniela Schneider