Main-Post, 23.03.2007

„Klangzauberhafte“ Überraschungen

Als Auftaktveranstaltung des Konzertjahres 2007 und gleichzeitigen Abschluss des diesjährigen Kulturprogramms „Frühlingserwachen“ präsentierte Musica Sacra in der Kulturhalle „Radio Brass Saar“. Bereits zum dritten Mal nahmen die zwölf Solisten des Rundfunk-Sinfonieorchesters Saarbrücken ihr Publikum in Grafenrheinfeld mit Pauken und Trompeten auf eine virtuose „Traumreise durchs Blech“ mit.

Diesmal allerdings begaben sich Gäste und Gastgeber in neue Dimensionen, denn erstmalig hatte Musica Sacra für das gemeindliche Kulturprogramm (in Zusammenarbeit mit der Kulturwerkstatt Disharmonie) das gewohnte Ambiente der Pfarrkirche verlassen. Das Konzert offenbarte sich – so Regionalkantor Rainer Aberle vorausschauend in seiner Ankündigung – als gelungener Mix aus Klassik und Entertainment und gehörte mit dem diesjährigen Programm sicherlich auch eher in eine Kulturhalle als in eine Kirche. Das Klangerlebnis allerdings blieb unverändert, prägte sich ins Gedächtnis der Besucher als perfekte Inszenierung eines „einschlägig routinierten Spitzenensembles“ ein, das wieder einmal mit sensibler Spielfreude, kraftvollen feurig-rasanten Passagen und leisen, dezent nuancierten Tönen sowie harmonischem Ensemblegeist und einer Portion Schabernack zu begeistern verstand.

Dank der Besetzung des Ensembles – elf Blechbläser und ein Pauker/Schlagzeuger – war das Repertoire mit Originalkompositionen und inspirierenden Bearbeitungen unglaublich vielseitig, von Renaissancekomponist William Byrd und Henry Purcells barocker Ouvertüre zur Oper „Dido und Aeneas“ über Mozart mit einem großen Sprung hin zu dem zeitgenössischen Posaunenquartett „Two Bagatelles for 4 Trombones“ und Jan Koetsiers Hommage „Philip Jones Story“. Nach der Pause hieß es dann „Überraschung“ – und da hatte Radio Brass Saar nicht zu viel versprochen, denn nun kam der Begriff Entertainment richtig ins Spiel. Überleitung in den mit modernen Klängen gespickten Teil war Aaron Coplands „Fanfare for the common Man“ von 1942, das als Wegbereiter der modernen amerikanischen Musik gilt. Das folgende weltberühmte Marimbaphonkonzert des brasilianischen Komponisten Ney Rosauro wurde mit einem vom Publikum geschaffenen Klangteppich unterlegt – in dieser Besetzung eine Premiere, wie Percussionist Michael Gärtner erläuterte.

Facettenreich jazzig wurde das Ensemble mit drei Sätzen aus „A Londoner in New York“ vom Engländer Jim Parker, bevor Robert Hofmann, gebürtiger Reichmannshäuser, seinem Vater zum Geburtstag mit einer eigens komponierten „Opa Willi-Polka“ überraschte. Auch die Überleitung zu den abschließenden klassischen Swingklängen gelang mit der eher erstaunlichen Besetzung von zwei Blechbläsern plus Ziehharmonika.

Doch wenn die Musiker Robert Hofmann, Michael Gärtner und Robert Neumair heißen, wird selbst aus der Interpretation berühmter Klassiktitel im „Oberkrainersound“ eine „klangzauberhafte“ Überraschung.

Von Daniela Schneider