Main-Post, 24.09.2002
Die perfekte Alternative zu Fernsehapparat, Wahlkrimi und Hochrechnungen präsentierte Musica Sacra Grafenrheinfeld nach einer längeren Sommerpause. Zum dritten Jahrestag der Weihe der Winterhalter-Orgel beeindruckte Heinrich Walther aus dem Elsaß sein Publikum mit technischer Vollkommenheit und einem tiefen Gespür für das Instrument.
Das Programm – ein Streifzug durch verschiedene Epochen der Musikgeschichte – war überlegt zusammengestellt. Das zeitgenössische, als Kompositionsauftrag entstandene »Organum IX« des Franzosen Xavier Darasse war als eher gewöhnungsbedürftige Orgelliteratur eingebettet in Johann Sebastian Bachs frühes Barockwerk »Toccata und Fuge d-moll« und Franz Liszts spätromantisches, melodisches »Ave Maria«. Darasse, einer der Lehrmeister, bei denen der Elsässer sein Orgelstudium vervollkommnen konnte, hatte ursprünglich zwölf in sich abgeschlossene Stücke geplant, »Organum IX« ist aber ob seines frühen Todes sein letztes Werk, wie Heinrich Walther in einer kurzen Hommage dem Publikum bedauernd erklärte. Das Stück besticht durch eine absichtlich gewählte, klare Struktur, durch Klasterklänge, die sich rhythmisch überlagern – ein ungewöhnliches Musikerlebnis, das aber nicht wirklich jedermanns Sache war.
Walther genießt als Preisträger internationaler Wettbewerbe einen – so der erste Vorsitzende des Förderkreises Rainer Aberle – »brillanten und weltweit bekannten Ruf«, zudem ist er für seine »wunderbaren Transkriptionen« verschiedener Orchesterwerke international bekannt. Ein Beispiel seines musikalischen Gespürs und seines großen, stilistischen Wissens offenbarte sich im Hauptprogrammpunkt, in Walthers eigener, sehr schwieriger Übertragung von César Francks Komposition für ein großes Sinfonieorchester »Symphonie en ré mineur« auf die Orgel.
Fast 45 Minuten lang belebte »Klangfarbenkünstler« Walther die verschiedenen Facetten der Winterhalter – Orgel, registrierte mit außergewöhnlicher Liebe zum Detail, bis das ganze Kirchenschiff durch die aufwühlenden Klänge der miteinander kontrastierenden Tempi – Lento, Allegro, Allegretto, Allegro non troppo – von einer Intensität erfüllt war, der man sich nicht entziehen konnte. Walther setzte damit einen furiosen Schlusspunkt in einem abwechslungsreichen Programm, dass die Zuhörer mit großem Applaus belohnten und der Solist mit der Zugabe einer eigenen Orgelfassung von Liszts »Consolations« beendete.
Von Daniela Schneider