Main-Post, 28.01.2003

Klangkultur auf höchstem Niveau

Mit dem sprichwörtlichen Paukenschlag eröffnete Musica Sacra die diesjährige Konzertreihe »klangkunst«. Mit dem festlichen Konzert für Bläser und Orgel erlebten die Zuhörer in der ausverkauften Pfarrkirche Klangkultur vom Allerfeinsten. Als Duo sind Trompeter Robert Hofmann – gebürtig aus Reichmannshausen – und Organist Rainer Aberle – Regionalkantor – in Grafenrheinfeld schon seit Bestehen der Konzertreihe bekannt und ihre Auftritte werden begeistert gefeiert. Jetzt aber hat der Solo-Trompeter des Rundfunksinfonieorchesters (RSO) Saarbrücken 11 weitere renommierte Solisten mitgebracht, die auf seine Initiative hin seit 2001 unter dem Namen Radio-Brass-Saar im Bereich Blasmusik für Furore sorgen. Das Spiel der zwölf Musiker, allesamt erfahren durch diverse Soloauftritte, zeichnete sich durch große Eleganz und einer wunderbaren Dynamik aus. Die Besetzung von elf Blechbläsern – vier Trompeten, vier Posaunen, zwei Hörnern und einer Tuba – sowie einem Schlagzeuger/Pauker erlaubt die Interpretation von Werken der Renaissance bis hin zur Moderne.

So spannte sich der beeindruckende Konzertbogen über fünf Jahrhunderte, angefangen von Tylman Susato bis hin zu George Gershwin. Das Programm, ansprechend für jeden Musikgeschmack, war perfekt zusammengestellt, von Gabrieli und Purcell bis hin zu Händel und J. S. Bach, der sowohl den Blechbläsern wie auch Rainer Aberle an der Winterhalter-Orgel die Möglichkeit gab, wunderbare musikalische Klänge voller Virtuosität aus ihren Instrumenten hervorzuzaubern. Der Höhepunkt der Veranstaltung war sicherlich der gemeinsam aufgeführte »Feierliche Einzug der Ritter des Johanniter-Ordens« von Richard Strauss in der Bearbeitung von Max Reger, für den sich das Ensemble zum Organisten auf die Empore begab.

Durch die veränderte Position der Musiker erhielten die von oben herabschwebenden Klänge, die das Kirchenschiff von hinten nach vorne durchfluteten, eine völlig andere Klangdimension – ein berauschendes Erlebnis für die über 300 Zuhörer in der Pfarrkirche, die wie geschaffen ist, für solche Musikereignisse. Der sogenannte »Investiturmarsch« - programmtechnisch wohl durchdacht am Ende des zweiten Konzertdrittels platziert – leitete gleichzeitig zur Moderne über, es folgte unter anderem Eugène Gigouts Orgelwerk »Toccata h-moll«, Jim Parkers jazziges »Chrysler Building« und als furioser Schlusspunkt begeisterte George Gershwins swingendes »I got rhythm«.

Die Zuhörer – wohl wissend, das eine solche Ansammlung von Spitzenmusikern etwas ganz Besonderes ist – zollten den Konzertierenden am Ende begeisterten Beifall und stehende Ovationen. Die Verantwortlichen von Musica Sacra zeigten sich über die vielen begeisterten Besucher höchst erfreut, hatten sie – wie Rita Weth erläutert – zwar »gehofft, aber nicht damit gerechnet« ein ausverkauftes Haus zu haben. Eine Tatsache, die zweifelsfrei für sich spricht und sicherlich als Zeichen dafür zu werten ist, dass sich die Konzertreihe als feste kulturelle Institution etabliert hat, die – wie die Autokennzeichen verraten – weit über den Landkreis hinaus eine große Fangemeinde anzieht.

Von Daniela Schneider