Main-Post, 29.03.2006
Mit einem etwas anderen Konzertabend eröffnete Musica Sacra den „klangkunst“-Veranstaltungsreigen 2006. Zu Gast in der Pfarrkirche war mit dem Bayerischen Kammerorchester Bad Brückenau und der jungen Ausnahmeviolinistin Natasha Korsakova erstmalig eine kleine Orchesterbesetzung: vorrangig exzellente Streicher, die unter der künstlerischen Leitung von Ulf Klausenitzer wunderbare und erschütternde Klänge zur Aufführung brachten.
Gestaltet war das Programm „Meisterwerke der Klassik“ als Hommage zum 250. Geburtstag von Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Martin Kraus. Nicht nur diese beiden hätten sich, so Regionalkantor Rainer Aberle einleitend, über einige Besucher mehr sicher gefreut.
Eröffnet wurde das Programm mit der Ouvertüre d-Moll zu der Tragödie „Olympia“ von Joseph Martin Kraus, dem fränkischen Pendant zu Mozart, der sich zeitlebens am Kompositionsstil seines Vorbildes Christoph Willibald Gluck orientierte. Es folgte Mozarts Konzert für Violine G-Dur, das getragen wurde von der charmanten Persönlichkeit Natasha Korsakovas, die mit ihrem nuancierten, intonationssicheren Violinenspiel einen ersten Höhepunkt lieferte. Wärme in Gestik und Mimik ließen ihr die Herzen zufliegen. Die Sonne untermalte mit faszinierenden Lichtspielen im Kirchenschiff das phantasievolle und farbenfrohe Klangerlebnis.
Während Klausenitzer ansonsten mit ausdrucksstarker Körpersprache agierte, wirkte er, wie auch die anderen Instrumentalisten, im Dialog mit seiner Soloviolinistin etwas zurückhaltender und ließ ihr durchaus Raum zur Entfaltung motivischer Selbständigkeit. Die danach folgende Pause war etwas zu früh anberaumt, das Publikum noch ganz gefangen von den Nachwirkungen des Erlebten.
Der zweite Teil des Konzerts war Werken von rhythmischer Prägnanz voll aufwühlender Spannung gewidmet. Am Anfang stand Mozarts Spätwerk „Adagio und Fuge c-Moll“, thematisch geschickt auf die folgende gewaltige „Kammersinfonie in c-Moll“ von Dmitri Schostakowitsch hinführend. Das schmerzvolle Werk des russischen Komponisten beeindruckte durch Ausdrucksdichte und demonstrierte das vielseitige Klangpotential des Bayerischen Kammerorchesters. Die dramatische Steigerung bis hin zum elegischen Hoffnungsschimmer wurde von den Streichern mit voller Wucht, aber nie hart und klangfarblich höchst differenziert ausgeführt.
Vielleicht hätte Klausenitzer gut daran getan, die Intention eines so gewaltigen musikalischen Psychogramms im Vorfeld zu erläutern und nicht erst nach dem Konzert. Geschrieben hatte Schostakowitsch das Werk nämlich im „Gedenken an die Opfer des Faschismus und des Krieges“ und nur so machte die nur durch ein momentanes Innehalten gekennzeichnete Überführung zum Bachschen Choral „O, Mensch bewein dein Sünde groß“ auf geniale Weise Sinn. Das Publikum reagierte zu Recht etwas irritiert und so hatte sich der Meister um die stehenden Ovationen gebracht, die dem Kammerorchester nach einer solchen Performance zugestanden hätten.
Von Daniela Schneider